Gifte

Allgemeine Definition

Gifte sind meist körperfremde Stoffe, die den Organismus schädigen oder Funktionsstörungen hervorrufen können. Abhängig von der aufgenommenen Dosis können sie schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und im Extremfall tödlich wirken. Das Krankheitsbild einer Vergiftung wird als Intoxikation bezeichnet.

Häufige Ursachen von Vergiftungen

Akute Vergiftungen entstehen häufig durch Überdosierungen von Medikamenten, Drogen, Alkoholkonsum, das unbeabsichtigte Einatmen von Rauchgasen oder Kohlenmonoxid sowie durch die Aufnahme verdorbener oder giftiger Nahrungsmittel. Auch absichtliche Vergiftungen können vorkommen.

Bekannte Giftstoffe

Zu den bekannten Giftstoffen zählen unter anderem Arsen, Zyankali (Cyanide), Dioxine, Quecksilber sowie verschiedene Giftpilze wie der Fliegenpilz oder der Knollenblätterpilz. Quecksilber wurde früher beispielsweise in Fieberthermometern verwendet und findet sich auch in bestimmten technischen Produkten. Bereits relativ geringe Mengen können gesundheitsschädlich sein.

Cyanide blockieren wichtige Enzyme der Mitochondrien, wodurch die Zellatmung gestört wird und es zu einer inneren Sauerstoffunterversorgung kommen kann. Giftige Substanzen können in unterschiedlichen Formen aufgenommen werden, beispielsweise über die Lunge, den Verdauungstrakt oder die Haut.

Der Fliegenpilz enthält unter anderem Ibotensäure, aus der sich Muscimol bildet. Diese Substanzen können neurologische Symptome wie Wahrnehmungsstörungen, motorische Störungen, Muskelkrämpfe oder Halluzinationen verursachen. Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte umgehend eine Giftinformationszentrale kontaktiert werden (z. B. Giftnotruf Bayern: 089 / 19240).

Arsenvergiftung

Arsen ist ein weiteres stark toxisches Element, das sowohl akute als auch chronische Vergiftungen verursachen kann. Chronische Belastungen können beispielsweise durch langfristige Aufnahme über belastete Lebensmittel entstehen.

Akute Vergiftungen können unter anderem folgende Symptome auslösen:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen und Durchfall
  • Muskelkrämpfe
  • Schwindel
  • Bewusstseinsstörungen
  • Nieren- und Kreislaufprobleme

Chronische Belastungen können unter anderem einhergehen mit:

  • Blutarmut
  • Haarausfall
  • Leberfunktionsstörungen
  • Muskelschwäche
  • neurologischen Beschwerden
  • Nierenfunktionsstörungen

Einflussfaktoren auf die Giftwirkung

Die Wirkung eines Giftstoffes hängt von mehreren Faktoren ab, darunter:

  • chemische Struktur
  • Dosierung
  • Art der Aufnahme
  • Verteilung im Organismus
  • Dauer und Häufigkeit der Exposition
  • individuelle Entgiftungsfähigkeit

Der Körper verfügt über eigene Entgiftungsmechanismen, deren Wirksamkeit unter anderem durch genetische Faktoren, Enzymaktivität, Gewöhnungseffekte und individuelle Toleranz beeinflusst wird. Giftstoffe können ihre schädliche Wirkung beispielsweise entfalten durch:

  • Störung des Sauerstofftransports
  • Denaturierung von Eiweißen
  • Schädigung von Zellmembranen
  • Hemmung wichtiger Enzyme
  • Veränderungen an der DNA

Einteilung der Giftstoffe

Anorganische Gifte:

  • Arsen
  • Quecksilber
  • Fluoride

Natürliche Gifte:
Toxine von Bakterien, Algen, Pilzen, Tieren oder Pflanzen, die häufig als Wehr- oder Angriffsstoffe in der Natur dienen.

Synthetische Gifte:
Vom Menschen hergestellte Substanzen wie bestimmte chemische Kampfstoffe, Industriegase oder andere toxische Chemikalien.

Genussgifte:

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Koffein
  • Morphin
  • Kokain
  • Zucker

Anthropogene Umweltgifte:
Vom Menschen freigesetzte Stoffe wie Herbizide, Insektizide, Dioxine, Feinstaub, Stickoxide, Chlorkohlenwasserstoffe, Kunstdünger oder Schwermetalle, die langfristig in Umwelt- und Nahrungskreisläufe gelangen können.

Gifte in der Medizin

Einige Substanzen entwickeln ihre Toxizität erst nach der Aufnahme in den Körper, wenn sie durch Stoffwechselprozesse in toxische Verbindungen umgewandelt werden (Bioaktivierung). Gleichzeitig finden bestimmte ursprünglich giftige Stoffe auch Anwendung in der Medizin, beispielsweise Wirkstoffe aus dem Fingerhut (Digitalis), die in genau dosierter Form bei bestimmten Herzerkrankungen eingesetzt werden können. Aufgrund ihrer engen therapeutischen Breite ist hier eine exakte Dosierung erforderlich, da Überdosierungen zu Vergiftungserscheinungen führen können.

Behandlung von Vergiftungen

Akute Vergiftungen stellen medizinische Notfälle dar und erfordern eine sofortige ärztliche Behandlung. Typisch ist ein rascher Funktionsverlust einzelner Organsysteme nach Aufnahme der toxischen Substanz. In Deutschland müssen jährlich zahlreiche Fälle akuter Vergiftungen stationär behandelt werden.

Therapeutische Maßnahmen bei Vergiftungen können – abhängig von Substanz und Situation – unter anderem umfassen:

  • Gabe eines Antidots (Gegengift)
  • Aktivkohle zur Bindung von Giftstoffen
  • Magen- oder Darmspülungen
  • unterstützende intensivmedizinische Maßnahmen
  • Blutreinigungsverfahren
  • Maßnahmen zur Förderung der Ausscheidung bestimmter Giftstoffe

Wichtiger Hinweis

Für eine gezielte Therapie ist die möglichst schnelle Identifikation des aufgenommenen Giftstoffes entscheidend. Frühzeitige Maßnahmen zur Verringerung der Aufnahme – beispielsweise durch Aktivkohle – können die im Körper verfügbare Giftmenge reduzieren.

Hinweis: Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte umgehend der Notruf (112) oder eine Giftinformationszentrale kontaktiert werden.