Herzfrequenzvariabilität (HRV)

Herzfrequenzvariabilität (HRV)

Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt die natürlichen, millisekundengenauen Schwankungen der Zeitintervalle zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Sie gilt als ein Parameter zur Beurteilung der Regulationsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems sowie des autonomen (vegetativen) Nervensystems und liefert Hinweise auf das Zusammenspiel zwischen Sympathikus (Aktivierung) und Parasympathikus (Regeneration).

Das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem steuert zahlreiche unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Verdauung. Es besteht aus zwei Hauptanteilen, die idealerweise in einem ausgewogenen Verhältnis zusammenarbeiten:

  • Sympathikus: Aktiviert den Körper und erhöht die Leistungsbereitschaft, beispielsweise in Stresssituationen („Fight-or-Flight“).
  • Parasympathikus: Unterstützt Entspannung, Regeneration und Erholung („Rest-and-Digest“).

Ein ausgeglichenes Zusammenspiel dieser beiden Systeme ist wichtig für die Anpassungsfähigkeit an Belastungen, die Erholungsfähigkeit sowie das allgemeine Wohlbefinden.

Messung der Herzfrequenzvariabilität

Die Herzfrequenzvariabilität kann im Rahmen einer VNS-Analyse gemessen werden. Ähnlich wie bei einem EKG werden dabei die elektrischen Signale des Herzens aufgezeichnet und anschließend computergestützt ausgewertet. Die Messung ist nicht invasiv und dauert in der Regel nur wenige Minuten. Sie kann in Ruhe oder unter standardisierten Belastungsbedingungen erfolgen.

Wearables wie Smartwatches oder Fitness-Tracker, die den Puls am Handgelenk erfassen, können Orientierungswerte liefern, erreichen jedoch in vielen Fällen nicht die Messgenauigkeit einer medizinischen EKG-basierten Analyse.

Interpretation der HRV

Eine höhere HRV wird häufig als Hinweis auf eine gute Regulations- und Anpassungsfähigkeit des autonomen Nervensystems sowie auf eine ausreichende Regeneration interpretiert.
Eine niedrigere HRV kann dagegen mit anhaltender Belastung, unzureichender Erholung, Stress oder bestimmten gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Zusammenhang stehen und sollte – bei auffälligen Befunden – im Gesamtkontext bewertet werden.

Einflussfaktoren auf die HRV

Die Herzfrequenzvariabilität wird von verschiedenen Lebensstil- und Umweltfaktoren beeinflusst. Maßnahmen, die auf eine Stabilisierung des vegetativen Gleichgewichts abzielen, können im Rahmen gesundheitsfördernder Strategien unterstützend wirken, unter anderem:

  • Stressreduktion, beispielsweise durch Entspannungsverfahren oder Belastungssteuerung
  • Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere moderates Ausdauertraining
  • Ausgewogene Ernährung, unter anderem mit ausreichender Zufuhr essenzieller Fettsäuren und antioxidativer Nährstoffe
  • Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf
  • Unterstützung einer stabilen Darmfunktion, beispielsweise durch eine ballaststoffreiche Ernährung und fermentierte Lebensmittel
  • Regelmäßige Tagesstruktur mit stabilen Schlaf-, Essens- und Erholungszeiten zur Unterstützung des zirkadianen Rhythmus

Die HRV stellt somit einen ergänzenden Regulationsparameter dar, der im Rahmen präventiver und ganzheitlicher Gesundheitskonzepte zur Beurteilung von Belastungs- und Erholungszuständen herangezogen werden kann.