Lexikon
1. Kurze Einführung
Chrom (VI), auch sechswertiges Chrom genannt, ist eine hochreaktive und toxische Chromverbindung. Sie entsteht überwiegend durch industrielle Prozesse und kommt in der Umwelt nicht in nennenswertem Umfang natürlich vor.
Für den menschlichen Organismus besitzt Chrom (VI) keine biologische Funktion. Aufgrund seiner ausgeprägten Giftigkeit und krebserzeugenden Eigenschaften gilt Chrom (VI) als gesundheitlich besonders relevant. Die gesundheitlichen Auswirkungen hängen von der Expositionshöhe, der Dauer der Belastung und dem Aufnahmeweg ab.
2. Wo kommt Chrom (VI) vor?
Chrom (VI) tritt nahezu ausschließlich in technisch-industriellen Zusammenhängen auf:
Industrie & Technik
- Metallveredelung und Galvanik
- Korrosionsschutz (Chromatierungen)
- Edelstahlverarbeitung
- Ledergerbung (historisch und in Teilen noch relevant)
- Pigmente, Farben und Lacke
Umwelt
- kontaminierte Böden in Industriegebieten
- belastete Altlasten
- Eintrag über industrielle Abwässer
Alltag
- kein natürlicher Alltagsstoff
- indirekter Kontakt über belastete Materialien möglich
3. Wie gelangt Chrom (VI) in den menschlichen Körper?
Die Aufnahme erfolgt über mehrere Wege:
- inhalativ: Einatmen chromhaltiger Stäube oder Aerosole (beruflich)
- dermal: Hautkontakt mit chromathaltigen Materialien
- oral: Aufnahme über kontaminierte Nahrung oder Wasser (selten)
Der inhalative Aufnahmeweg gilt als besonders kritisch.
Als besonders empfindlich gelten:
- Beschäftigte in der Metall- und Lederindustrie
- Personen mit chronischen Hauterkrankungen
- Raucher (zusätzliche Belastung)
4. Speicherung im Körper
Chrom (VI) wird nach Aufnahme teilweise im Körper reduziert und verteilt.
Mögliche Ziel- und Speicherorte sind:
- Lunge
- Leber
- Nieren
- Haut
Die biologische Verweildauer ist abhängig von der Umwandlung in weniger toxische Chromformen im Körper.
5. Wirkung im Körper (biologische Mechanismen)
In wissenschaftlichen Untersuchungen werden folgende Wirkmechanismen beschrieben:
- Eindringen in Zellen über Sulfatkanäle
- intrazelluläre Reduktion zu Chrom (III)
- Bildung reaktiver Zwischenprodukte
- Schädigung von DNA und Zellstrukturen
- Förderung von oxidativem Stress
Diese Mechanismen erklären das krebserzeugende Potenzial von Chrom (VI).
6. Mögliche gesundheitliche Symptome bei erhöhter Belastung
Die Symptome sind abhängig von Aufnahmeweg und Expositionsdauer.
🫁 Atemwege
- Reizung der Schleimhäute
- chronischer Husten
- Atemnot
- erhöhtes Risiko für Lungenkrebs
🧴 Haut & Schleimhäute
- Kontaktdermatitis
- schlecht heilende Hautgeschwüre („Chromlöcher“)
- Schleimhautreizungen
🫀 Organe
- Belastung von Leber und Nieren
Die Symptome sind nicht spezifisch und erlauben keine alleinige Diagnose.
7. Akute vs. chronische Belastung
Akute Belastung
- selten
- möglich bei hoher beruflicher Exposition
- ausgeprägte Reiz- und Entzündungssymptome
Chronische Belastung
- langfristige Niedrigexposition
- schleichende Zellschäden
- erhöhtes Krebsrisiko
Chronische Belastungen sind aus arbeits- und umweltmedizinischer Sicht besonders relevant.
8. Diagnostik – wie kann eine Belastung festgestellt werden?
Zur Abklärung einer möglichen Chrom-(VI)-Exposition können eingesetzt werden:
- Blutuntersuchungen
- Urinanalysen
- arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
- Umwelt- und Arbeitsplatzmessungen
Die Interpretation erfordert Fachkenntnis über Expositionsquellen.
9. Möglichkeiten zur Reduktion einer Belastung
Die folgenden Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Gesundheitsinformation und stellen keine Therapieempfehlung dar.
Mögliche Maßnahmen:
- konsequente Vermeidung der Expositionsquelle
- Einhaltung von Arbeitsschutzmaßnahmen
- Verwendung persönlicher Schutzausrüstung
- fachgerechte Sanierung belasteter Bereiche
Medizinische Maßnahmen erfolgen ausschließlich unter fachärztlicher Begleitung.
10. Prävention – wie kann man sich schützen?
- Einhaltung gesetzlicher Arbeitsschutzvorgaben
- regelmäßige arbeitsmedizinische Vorsorge
- Substitution chromhaltiger Verfahren, wo möglich
- Schulung im Umgang mit Gefahrstoffen
Hinweis: Dieser Artikel dient der neutralen Gesundheitsinformation. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie und enthält keine Heilversprechen. Bei Verdacht auf eine relevante Chrom-(VI)-Exposition sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
