Lexikon
Höhentraining – Anpassungsreaktionen des Körpers auf reduzierte Sauerstoffverfügbarkeit
Definition
Als Höhentraining bezeichnet man Trainings- oder Therapieformen, bei denen der Körper gezielt einer reduzierten Sauerstoffverfügbarkeit (Hypoxie) ausgesetzt wird, um physiologische Anpassungsreaktionen zu stimulieren. Diese Anpassungen betreffen insbesondere das Herz-Kreislauf-System, den Energiestoffwechsel sowie die Sauerstofftransportkapazität des Blutes.
Kurze Einführung
Der menschliche Organismus reagiert auf geringere Sauerstoffverfügbarkeit mit verschiedenen Anpassungsmechanismen. Dazu zählen unter anderem eine vermehrte Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Veränderungen der Mitochondrienfunktion sowie Anpassungen im Gefäßsystem. Traditionell wurde Höhentraining vor allem im Leistungssport eingesetzt, heute existieren auch moderne, technisch gesteuerte Verfahren.
Klassisches Höhentraining (Aufenthalt in großer Höhe)
Beim traditionellen Höhentraining halten sich Sportler oder Patientinnen und Patienten über mehrere Wochen in Hochgebirgsregionen auf, meist in Höhen zwischen etwa 1.800 und 3.000 Metern oder darüber.
Typische Anpassungsreaktionen:
- verstärkte Bildung von Erythrozyten und Hämoglobin
- Verbesserung der Sauerstofftransportkapazität des Blutes
- Anpassungen des Herz-Kreislauf-Systems
- langfristige Leistungsanpassungen bei entsprechender Trainingsbelastung
Diese Form erfordert jedoch längere Aufenthalte, organisatorischen Aufwand und eine individuelle Höhenverträglichkeit.
Modernes Höhentraining – simulierte Hypoxieverfahren (z. B. IHHT)
Moderne Verfahren nutzen technisch erzeugte simulierte Höhenluft, bei der der Sauerstoffgehalt der Atemluft kontrolliert reduziert wird. Eine häufig eingesetzte Methode ist das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT), bei dem sich Hypoxie- und Hyperoxiephasen in kurzen Intervallen abwechseln.
Typische Effekte dieser kurzfristigen Hypoxiereize:
- Aktivierung zellulärer Anpassungsmechanismen
- Stimulation mitochondrialer Regulationsprozesse
- trainingsähnliche Reize für Stoffwechsel- und Energiesysteme
- Anpassungsreaktionen im Gefäß- und Regulationssystem
Im Unterschied zum klassischen Höhentraining stehen hier weniger langfristige Veränderungen der Erythrozytenzahl, sondern stärker zelluläre Regulations- und Anpassungsprozesse im Vordergrund.
Vergleich: Klassisches Höhentraining vs. modernes Hypoxietraining
Klassisches Höhentraining:
- Aufenthalt über Wochen in großer Höhe
- deutliche Steigerung der Erythrozytenproduktion
- primär leistungsphysiologische Anpassungen
- organisatorisch aufwendig
Modernes Hypoxietraining (z. B. IHHT):
- kurzfristige, kontrollierte Anwendungen
- Fokus auf zellulären und metabolischen Anpassungsprozessen
- Durchführung unabhängig von geografischer Höhe
- individuell steuerbare Intensität und Dauer
Beide Verfahren nutzen denselben physiologischen Grundmechanismus – die Anpassungsreaktion des Körpers an verminderte Sauerstoffverfügbarkeit –, unterscheiden sich jedoch in Dauer, Zielsetzung und Schwerpunkt der Anpassungsprozesse.
Sicherheit und Durchführung
Formen des Höhentrainings sollten stets an den individuellen Gesundheitszustand, die Belastbarkeit sowie mögliche Kontraindikationen angepasst werden. Insbesondere technische Hypoxieverfahren sollten unter fachkundiger Betreuung und nach individueller Einschätzung durchgeführt werden.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Therapie.
