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Amygdalin (Laetrile) – Eigenschaften, Vorkommen und medizinische Bewertung

Definition

Amygdalin ist ein natürlich vorkommendes cyanogenes Glykosid, das in verschiedenen Pflanzen, insbesondere in Kernen von Steinfrüchten, enthalten ist. Häufig wird Amygdalin auch als „Vitamin B17“ bezeichnet, diese Bezeichnung ist jedoch wissenschaftlich nicht korrekt, da Amygdalin kein essentielles Vitamin für den menschlichen Stoffwechsel darstellt.

Die semisynthetische, gereinigte Form von Amygdalin wird als Laetrile bezeichnet.

Hintergrund und Wirkmechanismus

Amygdalin kann im Körper durch enzymatische Prozesse in verschiedene Substanzen zerlegt werden, darunter Benzaldehyd und Cyanid (Blausäure). Cyanid ist eine hochtoxische Verbindung, die die Zellatmung blockieren kann.

Historisch wurde angenommen, dass:

  • Tumorzellen bestimmte Enzyme stärker exprimieren könnten, die Amygdalin schneller abbauen,
  • und dadurch selektiv Cyanid in Krebszellen freigesetzt würde.

Diese theoretischen Wirkmodelle konnten jedoch in wissenschaftlichen Studien nicht zuverlässig bestätigt werden. Nach aktuellem medizinischem Wissensstand gibt es keinen überzeugenden klinischen Nachweis einer wirksamen Krebsbehandlung durch Amygdalin oder Laetrile, während gleichzeitig das Risiko einer Cyanidvergiftung besteht.

Historische Entwicklung

  • 1830: Erstmalige Isolierung von Amygdalin durch französische Chemiker
  • 1845: Erste Anwendungen als Krebsmedikament in Russland
  • 1950er-Jahre: Entwicklung einer semisynthetischen Form durch Ernst T. Krebs, später unter dem Namen Laetrile bekannt
  • In verschiedenen Ländern wurde Amygdalin zeitweise als alternative Krebstherapie eingesetzt, ist jedoch in vielen Staaten aufgrund fehlender Wirksamkeitsnachweise und Sicherheitsbedenken nicht als Arzneimittel zugelassen.

Natürliche Vorkommen

Amygdalin kommt natürlicherweise in verschiedenen Pflanzen vor, insbesondere in:

  • Bittermandeln
  • Aprikosenkernen
  • Pfirsichkernen
  • Apfelkernen
  • Kernen anderer Steinfrüchte
  • Limabohnen
  • Klee
  • Hirse

Die Aufnahme größerer Mengen dieser Kerne kann aufgrund der möglichen Cyanidfreisetzung gesundheitsschädlich sein.

Medizinische Bewertung und Anwendung

Amygdalin wird in Teilen der sogenannten alternativen oder biologischen Krebstherapie eingesetzt, häufig als Infusion, Tablette oder Injektion. Wissenschaftliche Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden weisen jedoch darauf hin:

  • Es existiert kein gesicherter Nachweis einer krebsheilenden Wirkung.
  • Es besteht ein Risiko einer Cyanidvergiftung, insbesondere bei oraler Einnahme oder gleichzeitigem Verzehr cyanidhaltiger Lebensmittel.
  • Die Bezeichnung „natürliches Chemotherapeutikum“ ist medizinisch nicht belegt.

Praktische Hinweise

  • Nehmen Sie Aprikosenkerne oder Bittermandeln nicht in größeren Mengen ein, da eine Cyanidbelastung möglich ist.
  • Bei Interesse an komplementären Krebstherapien sollte die Anwendung stets ärztlich abgeklärt werden, um Wechselwirkungen und Risiken zu vermeiden.
  • Verlassen Sie sich bei Krebsbehandlungen ausschließlich auf wissenschaftlich geprüfte Therapieverfahren und nutzen Sie ergänzende Maßnahmen nur nach fachlicher Beratung.

Verwandte Begriffe

  • Cyanid (Blausäure)
  • Alternative Krebstherapie
  • Komplementärmedizin
  • Antitumorale Therapie

Hinweis:
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Therapie. Die Anwendung von Amygdalin/Laetrile ist wissenschaftlich nicht als wirksame Krebstherapie belegt und kann gesundheitliche Risiken bergen. Bei schweren Erkrankungen wie Krebs sollte eine Behandlung stets in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt oder Onkologen erfolgen.