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Bioidentische Hormontherapie – Grundlagen, Anwendung und Bedeutung
Definition
Die bioidentische Hormontherapie (BHT) bezeichnet ein therapeutisches Verfahren, bei dem Hormone eingesetzt werden, deren chemische Struktur mit den körpereigenen Hormonen identisch ist. Ziel der Behandlung ist es, hormonelle Ungleichgewichte auszugleichen und hormonabhängige Beschwerden zu lindern.
Hintergrund und Wirkprinzip
Hormone sind körpereigene Botenstoffe, die in Drüsen gebildet, über das Blut transportiert und an spezifischen Rezeptoren wirksam werden. Sie steuern zahlreiche Körperfunktionen, darunter:
- Stoffwechsel
- Blutdruck und Herzfrequenz
- Blutzuckerspiegel
- Körpertemperatur
- Wasserhaushalt
- Fortpflanzung und Schwangerschaft
- Stimmung und Schlaf
Bei hormonellen Veränderungen – beispielsweise in den Wechseljahren, bei Schilddrüsenstörungen oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen – kann eine hormonelle Therapie medizinisch sinnvoll sein.
Bioidentische Hormone werden meist aus pflanzlichen Ausgangsstoffen (z. B. Diosgenin aus der Yamswurzel) gewonnen und anschließend im Labor so verarbeitet, dass sie strukturell identisch mit den natürlichen Hormonen sind.
Diagnostik vor einer Therapie
Vor Beginn einer hormonellen Therapie erfolgt in der Regel eine Hormonbestimmung, beispielsweise über Blut- oder Speicheluntersuchungen. Häufig untersuchte Hormone sind:
- Progesteron
- Östradiol
- Östriol
- Testosteron
- DHEA
- Cortisol
Die Therapie erfolgt individuell angepasst auf Grundlage der erhobenen Befunde und der klinischen Symptomatik.
Anwendung
Bioidentische Hormone können in verschiedenen Darreichungsformen eingesetzt werden:
- Cremes oder Gele zur Anwendung auf der Haut
- Kapseln oder Tabletten
- Tropfen
- transdermale Pflaster
Die Dosierung wird individuell festgelegt und regelmäßig ärztlich oder therapeutisch kontrolliert.
Mögliche Einsatzgebiete
Eine bioidentische Hormontherapie kann – abhängig von der individuellen Situation – unter anderem eingesetzt werden bei:
- hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren
- Zyklusstörungen
- bestimmten hormonellen Mangelzuständen
- Schlafstörungen im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen
- hormonabhängigen Befindlichkeitsstörungen
Die genaue Indikation sollte stets individuell medizinisch geprüft werden.
Praktische Hinweise
- Vor Beginn einer Therapie sollte immer eine fachliche Diagnostik erfolgen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um Dosierung und Wirkung anzupassen.
- Hormontherapien sollten ausschließlich unter medizinischer oder therapeutischer Begleitung durchgeführt werden.
- Selbstmedikation mit hormonhaltigen Präparaten ist nicht empfehlenswert.
Verwandte Begriffe
- Hormonersatztherapie
- Endokrines System
- Progesteron
- Östrogene
Hinweis:
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Arzt oder Heilpraktiker.
