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Chelat-Therapie – Wirkprinzip, Einsatzgebiete und Durchführung
Definition
Die Chelat-Therapie ist ein medizinisches Verfahren, bei dem spezielle Wirkstoffe (Chelatoren) eingesetzt werden, um bestimmte Metalle im Körper zu binden und anschließend über die Nieren auszuscheiden. Das Verfahren wird vor allem bei nachgewiesenen Metallvergiftungen angewendet und in einigen Bereichen der Komplementärmedizin zusätzlich bei bestimmten chronischen Belastungssituationen diskutiert.
Der Begriff „Chelat“ stammt vom griechischen Wort chele („Krebsschere“) und beschreibt die Fähigkeit der verwendeten Substanzen, Metallionen stabil zu umschließen und zu binden.
Grundlagen und Wirkprinzip
Chelatoren sind Moleküle mit mehreren Bindungsstellen, die positiv geladene Metallionen im Blut oder Gewebe chemisch komplexieren können. Nach der Bindung entsteht ein stabiler Chelatkomplex, der überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird.
Wichtige Eigenschaften des Wirkprinzips:
- Bindung frei vorliegender Metallionen
- Bildung stabiler Chelatkomplexe
- Ausscheidung über die Nieren
- Abhängigkeit der Bindungsstärke von Metallart und Stabilitätskonstante
- Unterschiedliche Chelatoren besitzen unterschiedliche Metall-Affinitäten
Metalle, die fest in körpereigene Strukturen eingebunden sind (z. B. Knochen), sind in der Regel deutlich schwerer zugänglich als frei zirkulierende Metallionen.
Einsatzgebiete
Medizinisch anerkannt ist die Chelat-Therapie insbesondere bei nachgewiesenen akuten oder chronischen Metallvergiftungen (z. B. Blei-, Quecksilber- oder Arsenexposition).
Weitere Anwendungsbereiche werden wissenschaftlich untersucht oder in einzelnen Therapiekonzepten ergänzend eingesetzt, beispielsweise:
- Nachgewiesene Schwermetallbelastungen
- Bestimmte berufliche Expositionen
- Umweltmedizinische Belastungssituationen
Der Einsatz bei Gefäßverkalkungen oder arteriosklerotischen Erkrankungen wird diskutiert, ist jedoch abhängig von individueller medizinischer Bewertung und Leitlinienempfehlungen.
Durchführung der Therapie
Die Chelat-Therapie erfolgt meist:
- als intravenöse Infusion
- seltener oral (z. B. Kapseln bei bestimmten Chelatoren)
Vor Beginn werden in der Regel durchgeführt:
- Laboruntersuchungen (Nieren- und Leberwerte)
- Mineralstoff- und Spurenelementbestimmungen
- Belastungsdiagnostik (z. B. Metallanalysen)
Während der Behandlung werden Verlaufskontrollen durchgeführt, um Sicherheit und Wirksamkeit zu überwachen.
Wichtige Chelatoren
In der klinischen Praxis kommen unter anderem folgende Substanzen zum Einsatz:
- EDTA (Ethylendiamintetraacetat)
- DMSA (Dimercaptobernsteinsäure)
- DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure)
Die Auswahl erfolgt abhängig von:
- nachgewiesenem Metall
- Bindungsaffinität des Chelators
- individueller klinischer Situation
Diagnostik und Therapiekontrolle
Zur Beurteilung einer möglichen Metallbelastung können eingesetzt werden:
- Blut- und Urinanalysen
- spezifische Belastungstests
- Verlaufskontrollen während der Therapie
Diese Untersuchungen helfen, Therapiebedarf, Dosierung und Behandlungserfolg zu beurteilen.
Sicherheit und ärztliche Begleitung
Da Chelatoren auch essenzielle Mineralstoffe binden können und über die Nieren ausgeschieden werden, sollte die Therapie ausschließlich unter fachkundiger medizinischer Überwachung erfolgen. Eine sorgfältige Voruntersuchung und regelmäßige Kontrollen sind wesentliche Bestandteile der Behandlung.
Verwandte Begriffe
- Schwermetallbelastung
- Umweltmedizin
- Metallintoxikation
- Ausleitungsverfahren
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Entscheidung über Durchführung und Umfang einer Chelat-Therapie sollte stets nach individueller medizinischer Abklärung erfolgen.
