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Chelat-Therapie bei Arteriosklerose – Hintergrund, Wirkprinzip und medizinische Einordnung
Definition
Die Chelat-Therapie ist ein medizinisches Verfahren, bei dem Chelatbildner (Chelatoren) eingesetzt werden, um bestimmte Metallionen im Körper zu binden und über die Nieren auszuscheiden. In der etablierten Medizin wird sie vor allem bei nachgewiesenen Metallvergiftungen angewendet.
Im Zusammenhang mit Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) wird die Chelat-Therapie in einigen therapeutischen Konzepten als ergänzende Behandlung untersucht, insbesondere mit dem Chelator EDTA (Ethylendiamintetraacetat).
Arteriosklerose – Krankheitsgrundlagen
Arteriosklerose beschreibt eine chronische Erkrankung der Arterien, bei der es zur Bildung von Plaques in den Gefäßwänden kommt. Diese bestehen aus:
- Lipiden
- Bindegewebe
- Entzündungszellen
- Kalkablagerungen
Die Folgen können Durchblutungsstörungen sein, beispielsweise:
- Angina pectoris
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Schlaganfall
- Herzinfarkt
Akute Gefäßverschlüsse werden in der modernen Medizin primär durch medikamentöse Therapie, Katheterinterventionen oder chirurgische Verfahren (z. B. Stent oder Bypass) behandelt.
Wirkprinzip der Chelat-Therapie
Chelatoren besitzen mehrere Bindungsstellen, mit denen sie Metallionen komplexieren können. Beim Einsatz von EDTA werden unter anderem folgende Mechanismen diskutiert:
- Bindung bestimmter Metallionen im Blut
- Verringerung metallkatalysierter oxidativer Prozesse
- mögliche Reduktion oxidativen Stresses
- mögliche Verbesserung endothelialer Funktionen
Diese Mechanismen werden wissenschaftlich untersucht; ihre klinische Bedeutung bei Arteriosklerose ist weiterhin Gegenstand der Forschung.
Mögliche Einsatzgebiete
Gesichert medizinisch etabliert ist die Chelat-Therapie bei:
- nachgewiesenen Schwermetallvergiftungen (z. B. Blei)
In Bezug auf Arteriosklerose wird sie in einigen Konzepten ergänzend eingesetzt oder wissenschaftlich geprüft, beispielsweise bei:
- Koronarer Herzkrankheit
- Peripherer arterieller Verschlusskrankheit
- generalisierter Gefäßverkalkung
Die routinemäßige Anwendung zur Arteriosklerosebehandlung gehört jedoch nicht zu den Standardleitlinien und sollte individuell ärztlich bewertet werden.
Durchführung der Behandlung
Die Therapie erfolgt in der Regel:
- ambulant
- als intravenöse Infusion (meist EDTA)
- in mehreren Behandlungssitzungen
Vor Beginn werden üblicherweise durchgeführt:
- Nieren- und Leberfunktionskontrollen
- Elektrolyt- und Mineralstoffbestimmungen
- kardiovaskuläre Diagnostik entsprechend der Grunderkrankung
Während der Therapie erfolgen regelmäßige Verlaufskontrollen.
Wissenschaftliche Einordnung
Klinische Studien zeigen uneinheitliche Ergebnisse hinsichtlich der Wirksamkeit der EDTA-Chelat-Therapie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Einige Untersuchungen weisen auf mögliche Risikoreduktionen in bestimmten Patientengruppen hin, während andere keinen klaren Nutzen zeigen.
Daher gilt:
- Chelat-Therapie ist keine Standardtherapie der Arteriosklerose
- mögliche Effekte werden weiterhin wissenschaftlich untersucht
- eine Anwendung sollte nur nach individueller medizinischer Bewertung erfolgen
Sicherheit und medizinische Überwachung
Da Chelatoren auch essenzielle Mineralstoffe binden können und über die Nieren ausgeschieden werden, ist eine fachärztliche Überwachung erforderlich. Besondere Vorsicht besteht bei:
- eingeschränkter Nierenfunktion
- Elektrolytstörungen
- bestimmten Herz- oder Stoffwechselerkrankungen
Verwandte Begriffe
- Arteriosklerose
- Chelat-Therapie
- EDTA
- Koronare Herzkrankheit
- Schwermetallvergiftung
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Entscheidung über eine Chelat-Therapie sollte stets nach individueller medizinischer Abklärung erfolgen.
