Lexikon
Etagenwechsel – Wenn sich allergische Erkrankungen im Verlauf verändern
Definition
Als Etagenwechsel bezeichnet man das Phänomen, dass sich bei atopischen Erkrankungen im Laufe der Entwicklung das klinische Erscheinungsbild verändert, während die allergische Veranlagung bestehen bleibt. Typischerweise klingt eine allergische Erkrankung ab und eine andere tritt neu auf.
Ein klassisches Beispiel ist der Übergang von Neurodermitis im Säuglings- oder Kindesalter zu allergischem Asthma im Jugend- oder Erwachsenenalter. Dabei spricht man bildlich davon, dass die Erkrankung „von außen nach innen“ wechselt – von der Haut zu den Atemwegen.
Verlauf allergischer Erkrankungen
Allergien, die früh im Leben auftreten, können sich im weiteren Verlauf unterschiedlich entwickeln:
- Veränderung des Erscheinungsbildes (z. B. Neurodermitis → allergisches Asthma)
- Hinzutreten weiterer allergischer Erkrankungen
- teilweises oder vollständiges Zurückbilden einzelner Allergien
Bestehen Allergien bis ins Erwachsenenalter fort, ist eine spontane Rückbildung jedoch seltener.
Risikofaktoren für Allergien
Das Risiko, eine allergische Erkrankung zu entwickeln, wird wesentlich durch genetische und Umweltfaktoren beeinflusst:
- genetische Veranlagung (familiäre Allergiebelastung)
- veränderte mikrobielle Umweltbedingungen in der Kindheit
- Störungen der Darmflora (z. B. nach Antibiotikatherapien)
- Kaiserschnittgeburt
- fehlendes Stillen
- Umwelt- und Lebensstilfaktoren
Beobachtungen zeigen beispielsweise, dass Kinder, die in mikrobiell vielfältigen Umgebungen wie landwirtschaftlichen Betrieben aufwachsen, seltener Allergien entwickeln (sogenannter Bauernhofeffekt).
Bedeutung des Etagenwechsels
Ein Etagenwechsel weist darauf hin, dass eine allergische Grundveranlagung weiterhin besteht, auch wenn sich die betroffenen Organsysteme verändern. Allergische Erkrankungen betreffen das Immunsystem grundsätzlich systemisch und können daher unterschiedliche Organe im Verlauf einbeziehen.
Praktische Einordnung
Die Beobachtung eines Etagenwechsels unterstreicht die Bedeutung:
- einer frühzeitigen allergologischen Abklärung
- einer langfristigen Betreuung bei bestehender Atopie
- einer konsequenten Behandlung und Prävention allergischer Erkrankungen
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie.
