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H₂-Atemtest – Diagnostik von Kohlenhydratunverträglichkeiten
Definition
Der H₂-Atemtest (Wasserstoff-Atemtest) ist ein nicht-invasives diagnostisches Verfahren zur Abklärung bestimmter Kohlenhydratunverträglichkeiten, insbesondere:
- Laktoseintoleranz
- Fruktosemalabsorption
- Dünndarmfehlbesiedlung (in speziellen Testprotokollen)
- Bestimmung der orozökalen Transitzeit (mit Lactulose)
Das Verfahren nutzt die Messung von Wasserstoff (H₂) in der Ausatemluft.
Funktionsprinzip
Werden bestimmte Zucker im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen, gelangen sie in den Dickdarm. Dort werden sie von Darmbakterien fermentiert. Dabei entstehen Gase, unter anderem Wasserstoff, der:
- über die Darmwand ins Blut gelangt
- in die Lunge transportiert wird
- über die Atemluft messbar abgeatmet wird
Ein erhöhter Wasserstoffwert in der Ausatemluft nach Aufnahme einer Testsubstanz spricht daher für eine unzureichende Resorption des entsprechenden Zuckers.
Ablauf der Untersuchung
- Durchführung meist nüchtern
- Einnahme einer definierten Testlösung (z. B. Laktose, Fruktose oder Lactulose)
- Messung der H₂-Konzentration in der Ausatemluft in regelmäßigen Zeitabständen (meist über mehrere Stunden)
- Bewertung des zeitlichen Verlaufs und der Höhe des Anstiegs
Typische Einsatzgebiete
Nachweis von Unverträglichkeiten
- Laktoseintoleranz
- Fruktosemalabsorption
Weitere diagnostische Anwendungen
- Abschätzung der orozökalen Transitzeit (mit Lactulose)
- Hinweis auf bakterielle Fehlbesiedlungen des Dünndarms (je nach Testverfahren)
Aussagekraft und Besonderheiten
Der H₂-Atemtest gilt als:
- nicht-invasiv
- schmerzfrei
- gut standardisiert
- klinisch etabliert
Die Interpretation erfolgt immer im Zusammenhang mit den Beschwerden, dem zeitlichen Verlauf der H₂-Messwerte und der gewählten Testsubstanz, da individuelle Unterschiede der Darmflora die Ergebnisse beeinflussen können.
