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Herzfrequenzvariabilität – Ein Maß für Anpassungsfähigkeit und Stressregulation
Definition
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt die natürlichen, millisekundengenauen Schwankungen der Zeitintervalle zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen. Sie gilt als wichtiger Marker für die Regulationsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems sowie des autonomen (vegetativen) Nervensystems.
Die HRV liefert insbesondere Hinweise auf das Gleichgewicht zwischen:
- Sympathikus (Aktivierung, Stressreaktion)
- Parasympathikus (Erholung, Regeneration)
Eine gute Balance dieser beiden Systeme ist entscheidend für Belastbarkeit, Erholungsfähigkeit und langfristige Gesundheit.
Das vegetative Nervensystem
Das vegetative Nervensystem steuert unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag, Blutdruck, Atmung und Verdauung. Es besteht aus zwei funktionellen Hauptanteilen:
- Sympathikus: aktiviert den Körper, erhöht Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft („Fight-or-Flight“)
- Parasympathikus: unterstützt Entspannung, Regeneration und Energieaufbau („Rest-and-Digest“)
Die Herzfrequenzvariabilität spiegelt wider, wie flexibel dieses Zusammenspiel funktioniert.
Messung der Herzfrequenzvariabilität
Die HRV kann mithilfe einer VNS-Analyse (Analyse des vegetativen Nervensystems) erfasst werden. Dabei werden – ähnlich wie bei einem EKG – die elektrischen Herzsignale aufgezeichnet und die zeitlichen Abstände zwischen den Herzschlägen analysiert.
- Die Messung ist nicht invasiv
- Sie erfolgt meist in Ruhe oder unter standardisierten Belastungsbedingungen
- Präzise Messungen erfolgen über EKG-basierte Verfahren
- Wearables können Trends anzeigen, besitzen jedoch teilweise eine geringere Messgenauigkeit
Bedeutung der HRV-Werte
- Hohe HRV: kann auf eine gute Anpassungsfähigkeit, Regenerationsfähigkeit und ein ausgewogenes vegetatives Nervensystem hinweisen
- Niedrige HRV: kann bei anhaltendem Stress, Überlastung, Schlafmangel, Erschöpfung oder bestimmten Erkrankungen auftreten
Entscheidend ist nicht ein einzelner Messwert, sondern der Verlauf über die Zeit und die Einordnung im individuellen Kontext.
Faktoren, die die HRV beeinflussen
Die Herzfrequenzvariabilität reagiert sensibel auf Lebensstil- und Umweltfaktoren, darunter:
- Schlafqualität
- körperliche Aktivität und Trainingszustand
- Stressbelastung
- Ernährung
- Erkrankungen und Medikamente
- Alkohol- und Nikotinkonsum
Möglichkeiten zur Unterstützung einer gesunden HRV
Lebensstilmaßnahmen können langfristig zu einer stabileren HRV beitragen:
- Stressreduktion und regelmäßige Erholungsphasen
- regelmäßige Bewegung, insbesondere moderates Ausdauertraining
- ausreichender und regelmäßiger Schlaf
- ausgewogene Ernährung
- feste Tagesrhythmen (Schlaf- und Essenszeiten)
Verwandte Begriffe
- Vegetatives Nervensystem
- Stressregulation
- Regeneration
- Biofeedback
- Belastungssteuerung
Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie. Bei anhaltenden Beschwerden oder auffälligen Messwerten sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
