Lexikon
Hyposensibilisierung – Spezifische Immuntherapie bei Allergien
Definition
Die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT), Desensibilisierung oder Allergieimpfung genannt, ist ein medizinisches Verfahren zur Behandlung bestimmter Allergien. Ziel ist es, das Immunsystem schrittweise an ein Allergen zu gewöhnen und dadurch die allergische Reaktion langfristig zu reduzieren.
Die Methode wird vor allem bei Allergien vom Soforttyp (Typ-I-Allergien) eingesetzt, bei denen IgE-Antikörper gegen an sich harmlose Umweltstoffe gerichtet sind.
Bei welchen Allergien wird sie eingesetzt?
Eine spezifische Immuntherapie wird insbesondere angewendet bei Allergien gegen:
- Pollen
- Hausstaubmilben
- Insektengifte (z. B. Biene, Wespe)
- bestimmte Tierallergene
- ausgewählte Schimmelpilze
Sie kommt vor allem dann infrage, wenn ein konsequentes Meiden des Allergens nicht möglich oder unzureichend wirksam ist.
Wie funktioniert die Hyposensibilisierung?
Bei der Therapie erhält der Patient in regelmäßigen Abständen kontrollierte Mengen des relevanten Allergens. Die Dosis wird zunächst langsam gesteigert, danach über einen längeren Zeitraum konstant verabreicht. Dadurch soll das Immunsystem eine Toleranz gegenüber dem Allergen entwickeln und weniger stark reagieren.
Immunologisch werden unter anderem folgende Mechanismen diskutiert:
- Verringerung der IgE-vermittelten Reaktionen
- Zunahme blockierender Antikörper (IgG)
- Veränderung entzündlicher Immunreaktionen
- Stabilisierung von Mastzellen
Ablauf der Behandlung
Die Therapie besteht üblicherweise aus zwei Phasen:
1. Aufdosierungsphase (Steigerungsphase)
- meist wöchentliche Gabe des Allergens
- schrittweise Erhöhung der Dosis
2. Erhaltungsphase
- Gabe der Erhaltungsdosis meist monatlich
- Fortführung über mehrere Jahre (häufig etwa drei Jahre)
Alternativ kann die Behandlung auch als sublinguale Immuntherapie (SLIT) erfolgen, bei der das Allergen regelmäßig in Tropfen- oder Tablettenform unter die Zunge gegeben wird.
Wirksamkeit und Nutzen
Zahlreiche Studien zeigen, dass die spezifische Immuntherapie:
- Allergiesymptome deutlich reduzieren kann
- den Bedarf an antiallergischen Medikamenten senken kann
- das Risiko einer Verschlechterung, etwa der Entwicklung von allergischem Asthma, vermindern kann
- bei einigen Allergien langfristige Effekte über das Therapieende hinaus ermöglicht
Der Therapieerfolg hängt unter anderem von Allergenart, Therapiedauer und individueller Immunreaktion ab.
Mögliche Nebenwirkungen
Die Behandlung gilt insgesamt als gut untersucht und wird unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt. Möglich sind:
- lokale Reaktionen an der Injektionsstelle (Rötung, Schwellung)
- Juckreiz oder leichte allergische Beschwerden
- selten stärkere allergische Reaktionen, weshalb die Anwendung unter medizinischer Überwachung erfolgt
Bedeutung im Gesamtkonzept der Allergiebehandlung
Die spezifische Immuntherapie ist derzeit die einzige ursächlich ansetzende, krankheitsmodifizierende Therapieform für bestimmte allergische Erkrankungen. Sie wird meist kombiniert mit:
- Allergenvermeidung (soweit möglich)
- symptomlindernden Medikamenten
- individueller allergologischer Betreuung
Eine sorgfältige allergologische Diagnostik entscheidet darüber, ob eine Hyposensibilisierung im Einzelfall sinnvoll ist.
