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Multimorbidität – Wenn mehrere chronische Beschwerden gleichzeitig bestehen

Definition

Von Multimorbidität spricht man, wenn bei einer Person mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig vorliegen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Häufige Kombinationen betreffen den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System, chronische Entzündungsprozesse, Schmerzen oder Erschöpfungszustände. Multimorbidität tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf, betrifft jedoch nicht ausschließlich ältere Menschen.

Warum mehrere Erkrankungen gemeinsam entstehen

Viele chronische Beschwerden entwickeln sich nicht unabhängig voneinander, sondern besitzen gemeinsame Ursachenfelder. Dazu zählen anhaltender Stress, Schlafstörungen, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, chronische Überlastung sowie Störungen zentraler Regulationssysteme wie Hormonhaushalt, Immunsystem oder Stoffwechsel. Wenn diese Grundlagen über längere Zeit aus dem Gleichgewicht geraten, entstehen häufig mehrere Diagnosen mit ähnlichen biologischen Hintergründen.

Das Problem fragmentierter Betrachtung

In vielen Versorgungssystemen werden Erkrankungen getrennt betrachtet: eine Diagnose – ein Fachgebiet – eine Therapie. Bei Multimorbidität führt dieses Vorgehen oft zu parallelen Behandlungen, zahlreichen Empfehlungen und komplexen Therapiekombinationen, die sich gegenseitig beeinflussen können. Dabei bleibt das zugrunde liegende Gesamtmuster der Beschwerden häufig unberücksichtigt.

Bedeutung eines systemischen Blicks

Bei Multimorbidität kann es sinnvoll sein, gemeinsame Belastungsachsen zu erkennen, anstatt jede Diagnose isoliert zu behandeln. Faktoren wie chronische Inflammation, gestörte Insulinregulation, Stressreaktionen, Darmfunktion oder mangelnde Regeneration können gleichzeitig mehrere Erkrankungen beeinflussen. Ein systemischer Ansatz zielt daher stärker auf die Stabilisierung grundlegender Regulationsprozesse als auf rein symptomorientierte Einzelmaßnahmen.

Praktische Impulse für den Alltag

Menschen mit mehreren chronischen Beschwerden profitieren häufig von grundlegenden, konsequent umgesetzten Maßnahmen:

  • Priorisierung der wichtigsten Belastungsfaktoren statt gleichzeitiger Veränderung vieler Bereiche
  • Stabilisierung von Schlafrhythmus und Erholungszeiten
  • regelmäßige, individuell angepasste Bewegung
  • schrittweise Anpassung von Ernährung und Essensrhythmus
  • Beobachtung von Zusammenhängen zwischen Stress, Symptomen und Energielevel

Schon kleine Verbesserungen zentraler Regulationsfaktoren können mehrere Beschwerdebilder gleichzeitig positiv beeinflussen.

Zusammenfassung

Multimorbidität verdeutlicht, dass der Körper kein System isolierter Erkrankungen ist. Häufig sind mehrere Diagnosen Ausdruck eines gemeinsamen Ungleichgewichts, das sich über Jahre entwickelt hat und daher häufig ganzheitliche, systemische Strategien erfordert.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapie.