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Stuhluntersuchung – Einblick in Darmgesundheit, Mikrobiom und Stoffwechselprozesse

Definition

Die Stuhluntersuchung (Stuhldiagnostik) ist ein diagnostisches Verfahren zur Analyse von Verdauungsleistung, Darmflora (Mikrobiom), Entzündungsprozessen, Infektionen und verschiedenen Stoffwechselmarkern. Sie ermöglicht eine nicht-invasive Beurteilung zahlreicher Funktionen des Magen-Darm-Systems und liefert Hinweise auf funktionelle sowie organische Störungen.

Bedeutung der Stuhldiagnostik

Der Darm spielt eine zentrale Rolle für Nährstoffaufnahme, Immunsystem, Hormonstoffwechsel und neurochemische Regulation. Veränderungen im Darmmilieu können daher weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben. Moderne Stuhluntersuchungen erfassen heute nicht nur Krankheitserreger, sondern auch mikrobiologische Zusammensetzung, Verdauungsenzyme, Schleimhautmarker und entzündliche Parameter.

Wichtige diagnostische Parameter

Mikrobiologische Parameter (Mikrobiomanalyse)

  • Gesamtbakterienzahl
  • Physiologische Leitkeime (z. B. Bifidobakterien, Laktobazillen)
  • Proteolytische Fäulnisflora
  • Pilze (z. B. Candida-Arten)
  • Pathogene Bakterien (z. B. Salmonellen, Campylobacter)
  • Parasiten (z. B. Giardia, Entamoeba)

Diese Parameter geben Aufschluss über Dysbiosen, also Störungen des mikrobiellen Gleichgewichts.

Entzündungsmarker

  • Calprotectin – Hinweis auf entzündliche Darmerkrankungen
  • Lactoferrin – Marker neutrophiler Entzündungsaktivität
  • Alpha-1-Antitrypsin – Hinweis auf Schleimhautschädigung und Proteinverlust

Schleimhaut- und Immunmarker

  • Sekretorisches IgA (sIgA) – Aktivität der lokalen Immunabwehr
  • Beta-Defensine – antimikrobielle Schleimhautfaktoren
  • Zonulin – Marker für erhöhte Darmpermeabilität („Leaky-Gut“)

Verdauungsparameter

  • Pankreaselastase – Funktion der Bauchspeicheldrüse
  • Gallensäuren
  • Fettgehalt im Stuhl (Steatokrit) – Fettverdauung
  • Stärke- und Muskelfaserreste – Hinweise auf Verdauungsstörungen
  • pH-Wert des Stuhls – Fermentations- bzw. Fäulnisprozesse

Stoffwechselprodukte der Darmflora

  • Kurzkettige Fettsäuren (Butyrat, Acetat, Propionat)
    wichtig für Schleimhauternährung und Immunregulation
  • Ammoniak
  • Indol / Skatol – Hinweise auf Proteinabbauprozesse

Tumor-Screening-Parameter

  • Okkultes Blut (iFOBT) – Früherkennung möglicher Blutungen im Darm

Einsatzgebiete der Stuhluntersuchung

Eine Stuhldiagnostik kann sinnvoll sein bei:

  • chronischen Verdauungsbeschwerden
  • Reizdarmsyndrom
  • chronischen Durchfällen oder Verstopfung
  • Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • wiederkehrenden Infektionen
  • entzündlichen Darmerkrankungen
  • Therapie- und Verlaufskontrollen
  • präventiver Darmgesundheitsanalyse

Interpretation der Ergebnisse

Die Bewertung erfolgt stets im Zusammenhang mit:

  • klinischen Beschwerden
  • Ernährungsgewohnheiten
  • Medikamenteneinnahme
  • Vorerkrankungen

Einzelne Laborwerte sind selten isoliert aussagekräftig; entscheidend ist die Gesamtbetrachtung aller Parameter und ihrer Wechselwirkungen.

Bedeutung für Prävention und Therapieplanung

Eine umfassende Stuhldiagnostik ermöglicht:

  • frühzeitiges Erkennen von Dysbiosen
  • Einschätzung der Verdauungsleistung
  • Beurteilung der Schleimhautimmunität
  • gezielte Anpassung von Ernährung, Probiotika, Enzymtherapien oder weiteren Maßnahmen

Damit stellt sie ein wichtiges Instrument der modernen funktionellen Darmdiagnostik und präventiven Medizin dar.