Lexikon
Sublinguale Immuntherapie (SLIT) – Hyposensibilisierung über die Mundschleimhaut
Definition
Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) ist eine spezielle Form der Allergenspezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Dabei wird ein standardisiertes Allergenextrakt regelmäßig in Form von Tabletten oder Tropfen unter die Zunge gegeben (sublingual aufgenommen). Ziel der Behandlung ist es, das Immunsystem schrittweise an das Allergen zu gewöhnen und dadurch allergische Reaktionen langfristig zu reduzieren.
Wirkprinzip
Bei allergischen Erkrankungen reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Substanzen wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Durch die regelmäßige Gabe kleiner, kontrollierter Mengen des entsprechenden Allergens lernt das Immunsystem, diese Substanzen besser zu tolerieren.
Im Verlauf der Therapie kann es zu folgenden immunologischen Veränderungen kommen:
- Verringerung allergieauslösender IgE-Antikörper
- Zunahme toleranzfördernder Immunreaktionen
- Abschwächung entzündlicher Reaktionen der Schleimhäute
- langfristige Stabilisierung der allergischen Reaktionsbereitschaft
Durchführung der Therapie
Die Behandlung erfolgt meist über mehrere Jahre und wird täglich durchgeführt.
Typischer Ablauf:
- Erste Einnahme des Allergenextrakts in der Arztpraxis, um mögliche allergische Reaktionen überwachen zu können
- anschließende tägliche Einnahme zu Hause durch den Patienten
- Tabletten oder Tropfen werden unter die Zunge gelegt und dort für einige Minuten behalten
- regelmäßige Kontrolltermine zur Verlaufskontrolle und Anpassung der Therapie
Im Gegensatz zur klassischen subkutanen Immuntherapie (Spritzenbehandlung) sind daher weniger häufige Arztbesuche erforderlich.
Vorteile der sublingualen Immuntherapie
Die SLIT bietet mehrere praktische Vorteile:
- selbstständige tägliche Anwendung durch den Patienten
- geringerer Bedarf an Arztbesuchen
- gleichmäßige Allergenexposition durch tägliche Einnahme
- gute Integration in den Alltag
- geringeres Risiko schwerer systemischer Reaktionen im Vergleich zur Injektionstherapie
Mögliche Therapieeffekte
Bei erfolgreicher Durchführung kann es zu folgenden Veränderungen kommen:
- deutliche Reduktion allergischer Beschwerden
- geringerer Bedarf an antiallergischen Medikamenten
- Abschwächung saisonaler Allergiesymptome
- langfristige Verbesserung der Allergenverträglichkeit
- mögliche Prävention der Ausweitung allergischer Erkrankungen
Die Wirkung entwickelt sich meist schrittweise über Monate und stabilisiert sich im Verlauf der mehrjährigen Therapie.
Sicherheit und ärztliche Begleitung
Die erste Einnahme sollte grundsätzlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da – wenn auch selten – allergische Reaktionen auftreten können. Während der weiteren Behandlung sind regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig, um den Verlauf zu beurteilen und die Therapie anzupassen.
Leichte lokale Reaktionen wie Juckreiz oder Kribbeln im Mundbereich können zu Beginn auftreten und bilden sich häufig im Verlauf zurück. Bei stärkeren Beschwerden sollte eine ärztliche Rücksprache erfolgen.
Zusammenfassung
Die sublinguale Immuntherapie stellt eine etablierte Behandlungsform der Allergietherapie dar, bei der durch die tägliche Aufnahme kleiner Allergenmengen über die Mundschleimhaut eine langfristige Toleranzentwicklung des Immunsystems angestrebt wird. Durch die selbstständige Anwendung zu Hause und die kontinuierliche Dosierung bietet sie eine praktische Alternative zur klassischen Injektions-Hyposensibilisierung, erfordert jedoch weiterhin eine regelmäßige ärztliche Begleitung.
